Sollte man einen Helm im Auto tragen?

Der ungewöhnliche, aber wissenschaftlich fundierte australische Test, der die Vorteile von Kopfschutz für Autofahrer bewies.

Die australische Studie aus dem Jahr 2000 (CR 193)

Wenn Sie jemals vorschlagen würden, dass Menschen beim Autofahren Helme tragen sollten, würde man Sie wahrscheinlich auslachen. Schließlich haben Autos Airbags, Sicherheitsgurte und gepolsterte Innenräume, richtig? Dennoch finanzierte das australische Amt für Transportsicherheit im Jahr 2000 eine ernsthafte Forschungsarbeit mit dem Titel „CR 193: Die Entwicklung eines Schutzbands für Fahrzeuginsassen."

Die Forscher machten die Rechnung: Kopfverletzungen waren ein massiver Beitrag zu Todesfällen und dauerhaften Behinderungen bei Autounfällen, oft verursacht durch den Aufprall des Kopfes auf die B-Säule, den Fensterrahmen oder das Lenkrad (besonders bei Seitenaufprallen oder Überschlägen, wo Frontairbags nicht helfen).

Der Schutzband-Prototyp

Das Team schlug keinen vollständigen Motorradhelm vor, der schwer, heiß und die Peripheriesicht blockierend wäre. Stattdessen entwarfen sie ein leichtes, energieabsorbierendes Kopfschutzband aus Polyurethanschaum und wabenförmigem Karton.

Sie befestigten diese Bänder an simulierten Schaufensterpuppenköpfen und schossen sie mit 23 km/h auf die B-Säule eines Toyota Corolla Kombis von 1977.

Die überraschenden Ergebnisse:

  • Das Band absorbierte erfolgreich eine enorme Menge an Aufprallenergie.
  • Die Forscher schätzten, dass ein solches Gerät in fast 50% der Fälle von Kopfverletzungen bei Insassen nützlich sein könnte.
  • Der prognostizierte gesellschaftliche Nutzen allein in Australien wurde auf 380 Millionen AUD pro Jahr geschätzt.

Moment, haben sie es empfohlen?

Die Mathematik war eindeutig: Eine gepolsterte Hülle um den Kopf ist äußerst wirksam bei der Reduzierung von Hirnverletzungen bei Autounfällen. Tatsächlich schätzte eine frühere Studie von 1997 eine 12%ige Schadensreduzierung für Insassen, die weiche fahrradähnliche Helme trugen.

Warum tragen wir sie also nicht? Praktikabilität und öffentliche Akzeptanz.

Selbst die Forscher wussten, dass es ein aussichtsloses Unterfangen war, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, für jeden Einkaufsfahrt ein Schaumstoffband auf den Kopf zu setzen. Soziale Reibung, Unbequemlichkeit und Umständlichkeit überwogen bei weitem den statistischen Nutzen in den Köpfen der Verbraucher.

Die moderne Lösung: Das Auto polstern

Da Menschen sich weigern, im Auto Helme zu tragen, verbrachte die Automobilindustrie die nächsten zwei Jahrzehnte damit, die Polsterung von unseren Köpfen ins Fahrzeuginnere zu verlegen.

Moderne Fahrzeuge sind ausgestattet mit:

  • Seitenvorhang-Airbags: Diese entfalten sich von der Dachkante und schaffen buchstäblich ein Kissen zwischen Ihrem Kopf und dem Fensterglas oder der B-Säule.
  • FMVSS 201 Kopfaufprallschutz: US-Bundesvorschriften schreiben nun spezielle energieabsorbierende Polsterung vor, die unter den Kunststoffverkleidungen der Säulen und der Dachlinie versteckt ist.

Mit dem Aufkommen dieser „unsichtbaren Helme" für Autos brach der zusätzliche Vorteil eines echten Helms zusammen. Die Studie von 1997 stellte fest, dass mit modernen Seitenairbags und gepolsterten Innenräumen der Zusatznutzen eines Helms auf unter 0,9% fallen könnte.

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